Nutzerzahlen Sozialer Netzwerke Januar 2010


“Im Social Web nichts Neues” könnte die Überschrift für die Analyse der Nutzerzahlen der wichtigsten deutschen Sozialen Netzwerke im Januar 2010 heißen. Stimmt im Prinzip auch – trotzdem lohnt sich ein etwas tieferer Blick in die Entwicklung der verschiedenen Kennzahlen um Aufschluss über interessante Trends zu erhalten.

Michael Radomski, Geschäftsführer COMPAS HEADING GmbH: "20 Millionen Nutzer bei Facebook sind auf Sicht möglich."

Michael Radomski, Geschäftsführer COMPASS HEADING GmbH: "20 Millionen deutsche Nutzer bei Facebook in absehbarer Zeit locker erreichbar."

Los geht es mit dem ganz klaren Champion Facebook.com. 13 Millionen unterschiedliche deutsche Nutzer meldeten sich im Januar auf dessen Seiten an. Selbst wenn diese Zahl nicht zu 100% die tatsächlichen Personen wiedergibt (dies gilt aber für alle anderen Netzwerke proportional ebenso), so stellt dieser Wert einiges dar. Denn die Online-Reichweite in Deutschland liegt mit ca. 21% weit unter dem globalen Wert (31%) und ist z.B. in Frankreich sogar doppelt so hoch wie bei uns. D.h. hier ist noch richtig Luft und die kleine Verschnaufpause beim Nutzerzuwachs im Herbst 2009 ist offensichtlich Makulatur. 20 Millionen deutsche Nutzer scheinen damit zukünftig locker erreichbar, bei Zuwachsraten von 10 – 20% pro Monat sogar in absehbarer Zeit. Die VZ-Gruppe (StudiVZ, SchuelerVZ, MeinVZ – Zahlen siehe unten) wird nicht mehr lange insgesamt mehr Nutzer haben als Facebook. Weltweit werden sogar fast eine halbe Milliarde Nutzer gezählt, was Facebook definitiv zu einem Phänomen macht, dessen Einfluss kaum noch fassbar ist.

Für den deutschen Markt ist das teils regional sehr unterschiedlich ausgeprägte Netzwerk wer-kennt-wen.de die klare Nummer 2. Auch hier gibt es nach wie vor ein starkes monatliches Wachstum (+10%), was durch die sehr tiefe Penetration im Südwesten der Republik (Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg) sowie entsprechende Potentiale im Norden und Osten gefördert wird. Allerdings sind hier die Seitenabrufe und absoluten Zugriffe rückläufig, was kein schlechtes Zeichen sein muss, in der Regel aber eines ist. Mit 6,7 Millionen Nutzern schafft wkw es immerhin ebenfalls die einzelnen VZ-Netzwerke klar hinter sich zu lassen. Zu vermuten ist, dass hier andere soziale Schichten agieren als in Facebook und StudiVZ, wo derzeit noch starke Strukturen aus Studenten und Gymnasiasten zu orten sind. Damit könnt sich wkw dauerhaft gegen Konkurrent Facebook (und die VZ-Portale sowieso) wehren und seinen Marktanteil halten.

Nummer 3 ist die Schulfreunde-Plattform stayfriends.de, die allerdings deutlich gegenüber dem Vormonat verliert und auch 5,6 Millionen Nutzer kommt. Damit scheint die Spitze mit 6 Millionen Nutzern im Monat Dezember tatsächlich Gründe in einem Marketing-Push gehabt zu haben. Hier sind Seitenabrufe und absolute Zugriffe ebenfalls rückläufig, so dass die weitere Entwicklung der Plattform kritisch zu betrachten ist.

Gleichauf mit dem Platz 3 liegt schuelerVZ.net, das zumindest seine Nutzerzahlen konstant bei 5,6 Millionen halten kann. Alle anderen Werte zeigen nach unten. Interessant ist lediglich die hohe Anzahl von weiblichen Nutzern, die mit ca. 60% deutlich über dem Schnitt der anderen Plattformen liegt .

Nutzerzahlen Sozialer Netzwerke (3 Monate)
Nutzerzahlen Sozialer Netzwerke (3 Monate)

Übel wird es auf Platz 5, wo der einstige Star der Communities, studiVZ.net 10% gegenüber dem Dezember an Nutzerzahlen verliert und nur noch 5 Millionen Nutzer erreicht. Starke Einbrüche bei den Seitenabrufen (- 30%) lassen vermuten, dass Konkurrent Facebook hier bei Fremd gehenden Nutzern aus dem Vollen schöpft. Die schlechte PR der letzten Monate tut wahrscheinlich ihr übriges, so dass wirklich offen ist, welche Rettungsmaßnahmen sich die Nachfolger von Markus Berger-de Leon wohl einfallen lassen werden.

Stagniert wird bei meinVZ.net und mySpace.com, die beide 3,8 Millionen Nutzer erreichen. Während Schwindsucht-Patient MySpace immerhin die weltweiten Seitenabrufe wieder etwas ausbauen kann, gehts bei MeinVZ analog zu den beiden Schwesterportalen auch hier abwärts.

Freude dürfte es beim Business-Netzwerk XING.com geben. Nicht nur, dass Mitte Februar eine intensive Marketing-Kampagne für neue Kunden sorgen soll – auch bereits im Januar konnte wieder ein Wachstum um die 10% und damit erstmals auf über 3 Millionen Nutzer verbucht werden. Um so beruhigender da Konkurrent linkedIn.com in Deutschland weiter bei 800.000 Nutzern stagniert, auch wenn die weltweite Basis deutlich ausgebaut werden konnte (von 38 auf 42 Millionen Nutzer).

Nachrichtendienst twitter.com schafft in Deutschland auch endlich mal wieder einen Sprung von 20% auf 2,9 Millionen Nutzer, was relativ gesehen sogar mehr ist als im weltweiten Vergleich (von 74 auf 82 Millionen). In Deutschland lassen die Seitenabrufe und absoluten Besuche etwas nach, international gehts aber aufwärts. Angesichts neuer Hypes (einer davon ist der Lokalisierungs-Dienst foursquare.de, der weltweit bereits 1,2 Millionen Nutzer hat), bleibt abzuwarten, wie es hier strategisch weiter geht.

Alle Werte der Analyse, die auf Daten von Google basieren, gibt es auf Anfrage unter kontakt@compass-heading.de.

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